Heft 141 - Nebarientwicklung

Hier stellen wir ausgesuchte Beiträge von Fachleuten und aus den Clubheften vor
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Tina
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So 23. Mär 2014, 10:21

Hallo,
ich habe eine Frage zum Heft 141, speziell zu dem Artikel von F. Jeker und seiner Methode, das Nebari seines Ahorns zu verbessern. Er legt die Wurzeln dafür frei. Ich dachte immer, es wäre besser, die Wurzeln von Erde bedeckt zu lassen, dann würden sie schneller dick?
Verstehe ich da irgendwas falsch?
Viele Grüße, Tina

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Hanno
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So 23. Mär 2014, 20:09

Tina hat geschrieben:Ich dachte immer, es wäre besser, die Wurzeln von Erde bedeckt zu lassen, dann würden sie schneller dick?
Das dachte ich bislang auch, Tina.
(Nicht nur) meine Theorie dazu war immer, dass sich das Nebari im Dunkeln deshalb besser entwickelt, weil sich ohne Abdeckung durch die Sonnen- und Witterungseinwirkung eine Borke auf den Wurzeln bildet, die wie ein "Panzer" wirkt und das Dickenwachstum hemmt.

Francois Jeker schreibt, dass sein Vorgehen die feinen Wurzeln, die er nicht braucht, absterben lässt und damit die stärkeren begünstigt.
Aber vielleicht sagen unsere Experten auch was dazu . . . ?

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majo
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So 23. Mär 2014, 20:25

ich denke es hat was damit zu tun, dass Wurzeln unter der Erde keine Borke bilden.
Es ist schöner wenn die oberflächlichen Wurzeln die gleiche Borke wie der Stamm haben.
Ich denke auch, dass die Wurzeln keine deutlich geringeres Dickenwachstum haben, auch wenn sie oberirdisch liegen. Entscheidend ist, dass die unterhalb liegenden Wurzel und auch die oberirdischen Bereiche anständig wachsen dürfen.
Ist auf jeden Fall ein interessantes Vorgehen.
Der Wurzelschnitt auf eine passende Schale, ist absolut kein Problem, und kann mit einer Schere durchgeführt werden.


Gruß Majo
Mein Motto ...... Anfangen ist der wichtigste Teil einer Arbeit

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uvex
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Mo 24. Mär 2014, 21:38

Hallo,

F. Jeker und seine Arbeiten schätze ich sehr. Deshalb las ich auch den Artikel mit großem Interesse.

Ich glaube, es geht in erster Linie darum, dass sich an den stärkeren Wurzeln eine überzeugende alte Rinde bildet und das Nebari durch die besonders flache Schale betont wird. Und interessant fand ich die Vorbereitung des Ahorns, um den Schritt in einer Hau-Ruck-Aktion zu machen. Üblicherweise wird das Nebari ja bei jedem Umtopfen allmählich höher gelegt.

Dieses extrem schnelle Vorgehen widerspricht bei Jungpflanzen und Rohmaterial jeder Regel und Vernunft. Es sei denn, man wendet es bei einem Bonsai an, der schon ein wirklich tolles ausgereiftes Nebari unter der Erdoberfläche hat. Dieser Hinweis darauf fehlt in dem Beitrag leider. Warum auch immer ........ Hoffentlich ist das Einsteigern in das Hobby irgendwie anhand der Bilder klar, wie das gemeint ist.

VG von Uwe!

Tina
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Di 25. Mär 2014, 12:20

Danke Uwe,
also kann ich das so verstehen:
Bäume in Entwicklung und Jungpflanzen, die jeweils noch Nebari entwickeln müssen: Hier ist die Jekermethode nicht geeignet.
Die Jekermethode dient bei ausgereiften Bäumen mit entsprechend entwickeltem Nebari zur weiteren Verfeinerung?
Viele Grüße,
Tina

marcom
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Di 25. Mär 2014, 21:16

Mit dem Artikel und dem darin beschriebenen Vorgehen habe ich meine Probleme und gerade die dort vorgestellte Pflanze bestätigt auch die Vorbehalte.
Bei einem als schön empfundenen Nebari gleichen sich die Wurzeln von der Neigung her in einem Bogen der Erdoberfläche an. Auch miteinander verwachsende Wurzeln bis hin zu moderaten Wurzelplatten sind sehr reizvoll, werden aber gerade durch die beschriebene Methode verhindert.

wenn ich den Baum bei jedem Umtopfen höher in die Schale einsetze entwickelt sich ein kegelförmiges Nebari das nicht sonderlich natürlich aussieht, sondern eher wie ein unkonsequenter Neagari-Stil (die Dinger mit den Luftwurzeln). Und gerade die feinen Seitenwurzeln sorgen doch für das verwachsen der Wurzeln und damit für Wurzelplatten, weil sie die Lücken zwischen den radial verlaufenden Hauptwurzeln füllen. Also gilt es doch gerade die Feinwurzeln auch zu erhalten und eben nicht gezielt zum Absterben zu bringen. Ein Argument ist natürlich, dass ein reifer Wurzelansatz sich auch in der Borke widerspiegelt und sich diese nur an der Luft bildet. Aber da ist der Ahorn mit seiner vergleichsweise glatten Rinde ein eher schlecht geeignetes Modell. Bei Arten wie Kiefer, Lärche, Steinweichsel uä. würde ich eher auf eine frühzeitige Freilegung der Oberflächenwurzeln pochen als beim Ahorn. Da lege ich den Ansatz erst frei, wenn die Wurzeln schon verwachsen sind.

Grüße,
Marco

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uvex
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Di 25. Mär 2014, 22:50

marcom hat geschrieben:............
Bei einem als schön empfundenen Nebari  gleichen sich die Wurzeln von der Neigung her in einem Bogen der Erdoberfläche an. Auch miteinander verwachsende Wurzeln bis hin zu moderaten Wurzelplatten sind sehr reizvoll, werden aber gerade durch die beschriebene Methode verhindert.
..........
Was ist ein schöner Wurzelansatz????? Ein breiter, flacher Wurzelteller, oder doch lieber ein weniger verwachsenes, natürlicheres Nebari, welches Jeker an dem Ahorn bewußt gestaltet und als schön empfindet? Irgendwie kommt mir der Artikel unvollständig oder gekürzt vor. Aus dem Thema kann man viel mehr herausholen ...........

VG von Uwe!

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herbertoy
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Mi 2. Apr 2014, 16:03

uvex hat geschrieben:Irgendwie kommt mir der Artikel unvollständig oder gekürzt vor. Aus dem Thema kann man viel mehr herausholen ...........
Hallo,

als der "Mann mit dem Rotstift" kann ich in diesem Fall mit Bestimmtheit sagen, dass der Text weder gekürzt noch unvollständig ist. Die im Clubheft abgedruckte Form entspricht, von minimalen redaktionellen Eingriffen 1:1 dem Ursprungstext.

Zur Diskussion um ein als schön empfundenes Nebari, kann ich speziell bei diesem Artikel aus dem Nähkästchen plaudern. Bei der Redaktionskonferenz im Januar wurde über den Ansatz von Jeker ebenfalls ausführlich und durchaus kontrovers debattiert - und zwar in ästhetischer, aber auch bonsai-technischer Sicht. Als Resultat entstand der Einstieg in den Artikel "Über den idealen ... in der Praxis erreicht".

Grüße,
herbert

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